BLU in Vienna
Endlich habe ich mal eine kleine Radtour raus zum Alberner Hafen in Wien geschafft. Ich wollte längst mal das gigantische Graffiti des/der StreetartistIn Blu aus der Nähe sehen.

Streetartist Blu in Wien, ganz im Hintergrund
Kultur- und Kunst-Fast-Food
Diese Arbeit entstand laut Recherchen im Rahmen des Blk River Festival 2010. Sie ist alleine schon aufgrund des riesigen Formats von geschätzten 30-40 Metern Höhe faszinierend. Interessant ist allerdings hier, wie in anderen Bereichen der Streetart auch das Kuriosum der Festivalisierung, Kulturakademisierung, Verkommerzialisierung… derselben. “Auch 2010 holt das Team von (…) und rundum (…) einige der bedeutendsten Vertreter der internationalen Street Art Szene nach Wien” heißt es auf der Seite von Blk. Weiters: “…Künstler geben sich die Ehre (…) setzen eigens für Black River konzipierte Projekte um”. Bei Blu haben sie sich sogar die Mühe gemacht, aus der englischen Wikipadia den ersten Absatz für die Künstlerbeschreibung zu kopieren. Auf der Website folgen weitere beeindruckende Worte wie “Akkreditierung”, “Symposium”, “Kulturpartner”, “Medienpartner”, “Presse Dinner”, “Sponsoren” usw. Mir persönlich bleibt da die Spucke bzw. die Street weg.

Streetartist Blu in Wien, getting closer
No Banksy @ Blk
Banksy war zum Glück nicht dabei, war aber auch nicht zu erwarten: “Banksy neither produces or profits from the sale of greeting cards, mugs or photo canvases of his work.” steht auf seiner Website zu lesen. Na gut, ich hab keine limited Edition Riesen-Blu-Kaffee-Häferl zu kaufen gefunden, das beruhigt mich. Ehrlich gesagt: ich weiss gar nicht, warum ich mich so aufrege, vielleicht hätte ich nicht darüber stolpern sollen, dass der Blu “geholt” wurde und sich eigens dafür die Ehre gab (zwischendurch ein Werbe-Button für eine Artist-Management-Agentur). Vielleicht wollte ich einfach nur das schöne unkommerzielle Erlebnis meiner Besichtigung hier schildern und hätte nicht recherchieren sollen. Dann hätte ich hier ein paar Bilder gepostet und geglaubt, diese/r Blu fährt da in der Weltgeschichte rum, malt ein Riesenbild auf eine Riesenwand und hofft, dabei nicht erwischt zu werden, coole/r Typ/in. Mir schießt ja schon das Adrenalin ein, wenn ich nur die Spraydose schüttel um meine Klowand zu besprühen oder ein “echtes” Banksy-Stencil vernichte “How to remove a Banksy Stencil“.

Streetartist Blu in Wien, noch näher
Great Blu
However, ich konnte mir das Teil in aller Ruhe reinziehen und musste dabei kein lauwarmes Bier aus Plastikbechern unter einer Herde von geentertainten Kulturkonsumenten trinken. Und schön finde ich auch, dass das Teil wohl zu groß sein wird, dass es eines Tages runtergeschnitten und in einer Galerie landen wird, aber wer weiss. Ich für meinen Teil entdecke die Streetart lieber weiterhin ohne Partyfeeling und Guide im Stillen, ungefähr so wie sie entstanden ist.

Der Autor beim stillen Genuß von Streetart (Foto: © Lea Titz)

