Das Gütesiegel der Fair Wear Foundation FWF

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In meinem Geschäft und im Onlineshop biete ich sehr viele Produkte an, die unter dem Label der Fair Wear Foundation, kurz FWF zertifiziert sind. Dieses Label ist vergleichbar mit dem wesentlich bekannteren Fair-Trade Label aus dem Lebensmittelbereich, arbeitet aber ausschließlich im Bereich der industriellen Textilproduktion.

Die Fair Wear Foundation ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation (NPO), die es sich zum Ziel gesetzt hat, in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Fabriken die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Textilindustrie zu verbessern.

Die Grundlage der Zusammenarbeit mit den Herstellern bildet der Code of Labour Practices (PDF) – 8 Arbeitsnormen bilden den Kern dieses Codex. Die Mitglieder der FWF müssen diese in ihren Unternehmen umsetzen und regelmässig prüfen lassen, um ihre Produkte mit dem FWF-Zertifikat kennzeichnen zu dürfen. Die FWF kontrolliert die Fortschritte der Mitglieder, berät diese, steuert Know-how bei, pflegt einen ständigen Dialog mit der Textilindustrie und stärkt somit auch die Effizienz und Wirksamkeit der Prozesse.

Code of Labour Practices

Der Code of Labour Practices basiert auf den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Im folgenden ein auszugsweiser Überblick über die 8 Kernarbeitsnormen (Mehr Infos: ILO-Arbeits- und Sozialstandards):

Freie Wahl der Beschäftigung

Nach ILO Übereinkommen 29 und 105: Abschaffung der Zwangsarbeit, 1957 und Zwangsarbeit, 1930.

Umfasst Zwangsarbeit, Sklaven- oder Gefängnisarbeit.

Keine Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf

Nach ILO Übereinkommen 100 und 111: Gleichheit des Entgelts, 1951 und Diskriminierung (Beschäftigung und Beruf), 1958

Anstellungs- und Lohnpolitik, Zugang zu Fortbildung, Mitarbeiter Förderpolitik, Regelung zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses, Ruhestand und alle anderen Aspekte des Arbeitsverhältnisses basieren auf dem Grundsatz der Chancengleichheit, unabhängig von ethnischer Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, politischer Zugehörigkeit, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Nationalität, soziale Herkunft, Einschränkungen oder Behinderungen.

Abschaffung der Kinderarbeit

Nach ILO Übereinkommen 138.

Keine Ausbeutung durch Kinderarbeit. Das Mindestalter darf nicht unter dem Alter, in dem die Schulpflicht endet, und auf keinen Fall unter 15 Jahren liegen. Das Mindestalter für die Zulassung zu einer Beschäftigung oder Arbeit, die wegen ihrer Art oder der Verhältnisse, unter denen sie verrichtet wird, voraussichtlich für das Leben, die Gesundheit oder die Sittlichkeit der Jugendlichen gefährlich ist, darf nicht unter 18 Jahren liegen.

Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen

Nach ILO Übereinkommen 87 und 98: Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechtes, 1948 und Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen, 1949.

Das Rech aller Arbeitnehmer, Gewerkschaften beizutreten oder zu gründen. Entwicklung und Anwendung von Verfahren fördern, durch die Arbeitgeber oder Organisationen von Arbeitgebern einerseits und Organisationen von Arbeitnehmern andererseits freiwillig über den Abschluß von Gesamtarbeitsverträgen zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verhandeln können.

Zahlung eines existenzsichernden Lohn

Nach ILO Übereinkommen 26 und 131: Verfahren zur Festsetzung von Mindestlöhnen, 1928  und Minimum Wage Fixing Convention, 1970

Löhne und Leistungen, die für eine normale Arbeitswoche gezahlt werden, müssen mindestens die rechtlichen bzw. Branchenmindeststandards erfüllen und stets ausreichend für die Erfüllung der Grundbedürfnisse der Arbeitnehmer und ihrer Familien sein und darüber hinaus die Möglichkeit für Rücklagen/Ersparnisse bieten. Lohnabzüge für Disziplinarmaßnahmen sind nicht zulässig.

Keine überlangen Arbeitszeiten

Nach ILO Übereinkommen 1: Hours of Work (Industry) Convention, 1919

Arbeitszeiten müssen den geltenden Gesetzen und Industriestandards entsprechen. Arbeitnehmer dürfen nicht regelmäßig mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten und müssen mindestens einen Tag pro Woche frei haben. Überstunden müssen freiwillig sein, dürfen nicht mehr als 12 Stunden pro Woche betragen, dürfen nicht regelmäßig und immer gefordert werden und sollen mit einem Prämiensatz ausgeglichen werden.

Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen

Nach ILO Übereinkommen 155: Occupational Safety and Health Convention, 1981

Der Arbeitgeber hat für eine sichere und hygienische Arbeitsumgebung entsprechend den aktuellen Erkenntnissen des Arbeits-und Gesundheitsschutzes zu sorgen. Es müssen wirksame Regeleung zur Unfallvermeidung und zur Minimierung von gesundheitlichen Risiken implementiert werden. Körperliche Misshandlung, Androhungen von körperlicher Misshandlung, unübliche Strafen oder Disziplinarverfahren, sexuelle und andere Belästigungen und Einschüchterungen durch den Arbeitgeber sind streng verboten.

Rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis

Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern nach Arbeits- oder Sozialversicherungsgesetzen und Vorschriften, die sich aus dem regulären Arbeitsverhältnis ergeben, dürfen nicht durch anderweitige vertragliche Regelungen umgangen werden. Jüngeren Arbeitnehmern soll die Möglichkeit geboten werden, an Fortbildungsprogrammen teilzunehmen.

Broschüre der FWF

Hier findest Du eine englischsprachige Broschüre der FWF mit dem bezeichnenden Titel „fair clothing should be simple – but it never is“!